Let´s do the timewalk ...

Wir sind mit unseren Gedanken selten in der Gegenwart. Entweder kreisen sie um die Vergangenheit, oder wir denken an die Zukunft. Im Mentaltraining und Coaching macht man sich diese in uns wohnende Angewohnheit mit der sogenannten „Timelinearbeit“ zunutze. Sie hilft, Dinge zu ordnen, Zusammenhänge zu erkennen und Pläne zu entwickeln.

 Bildquelle: pixabay.com, FotografieLink

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Ich möchte Ihnen ein Beispiel für Timelinearbeit geben, das Sie selbst zuhause durchführen können. Gerade zu Jahresanfang ist das eine schöne Methode, sie lässt sich aber auch wunderbar einsetzen, wenn Sie sich ein Ziel gesetzt haben, das Sie innerhalb einer bestimmten Zeit erreichen möchten. Aber bleiben wir bei dem Beispiel, das kommende Jahr mit Timelinearbeit zu visualisieren.

Besorgen Sie sich Malerkrepp und kleben Sie einen Streifen auf den Boden quer durchs Zimmer. Dann teilen Sie ihn optisch in 12 gleich große Stücke, indem Sie Striche als Trennlinien machen. Damit hätten wir die Monate. Nun schreiben Sie an Beginn und Anfang die Daten Ihrer Zeitleiste, z.B. 1.1.2018 und 31.12.2018.

Stellen Sie sich an den Anfang und blicken Sie auf das Jahr, das vor Ihnen liegt. Falls Sie schon ein paar Fixpunkte kennen, die auf Sie zukommen werden, z.B. ein Umzug, eine Prüfung, etc., schreiben Sie jedes einzelne Ereignis auf einen Zettel und legen Sie ihn dann zu dem Zeitpunkt, an dem er stattfinden wird, neben die Zeitleiste. Eine Abwandlung der Übung ist, dass Sie hier auch noch die Bewertungen positiv/negativ mit einbeziehen. Wenn Sie beispielsweise einen Zettel rechts neben die Zeitleiste legen, haben Sie eine positive Erwartung, und links haben Sie eine negative Erwartung. Je weiter weg von der Zeitleiste, desto stärker ist die Erwartung. Also z.B. eine Prüfung Ende Mai, die Ihnen im Magen liegt, legen Sie ans Ende des 5. Teilstücks auf die linke Seite ca. 1 Meter weg von der Zeitleiste. Die Hochzeit Ihrer besten Freundin im Juli, auf die Sie sich zwar freuen, aber gleichzeitig auch den Vorbereitungsstress fürchten, legen Sie im 7. Teilstück 30 cm rechts der Zeitliste hin.

Nachdem Sie nun alle Fixpunkte aufgelegt haben, gehen Sie zurück an den Jahresbeginn und schauen ins  Jahr hinein. Versuchen Sie das Bild auf sich wirken zu lassen. Wie geht es Ihnen dabei? Erkennen Sie anstrengende Zeiten, sehen Sie freudige Ereignisse, die Sie motivieren? Nun schreiten Sie ganz langsam Monat für Monat ab. Machen Sie dabei jeden Schritt bewusst und bleiben Sie immer am Monatsende kurz stehen. Beobachten Sie die Veränderungen in Ihrem Erleben und Tun. Um beim Beispiel mit der Prüfung Ende Mai zu bleiben: wie geht es Ihnen zu Jahresbeginn, wenn die Prüfung noch so fern ist? Was haben Sie getan, wenn es Ende Jänner ist? Haben Sie schon zu lernen begonnen oder es noch aufgeschoben? Wie geht es Ihnen Ende März, wenn die Prüfung schon sehr nahe ist? Haben Sie ein schlechtes Gewissen, weil Sie bis jetzt wenig getan haben? Oder sind Sie positiv gestimmt? Wie geht es Ihnen Ende Mai, wenn die Prüfung hinter Ihnen liegt? Sind Sie erleichtert?

Wenn Sie am Jahresende angelangt sind, drehen Sie sich um und blicken Sie auf Ihr Jahr zurück. Wie war es? Wie geplant, oder hätte man etwas verbessern können?

Nun gehen Sie nochmals an den Jahresanfang und gehen, mit dem Wissen aus dem vorherigen Durchgang, Sie nochmals langsam in Monatsschritten vorwärts. Überlegen Sie dabei, welche Ressourcen oder sonstigen Dinge Sie in der jeweiligen Phase brauchen, damit sie leichter gelingt. Im Jänner vielleicht einen Plan, wie Sie sich die Lernzeit einteilen. Im März eventuell Ruhe, um sich ganz dem Studium zu widmen. Im April dann Unterstützung von einem Freund, um weiterhin motiviert zu bleiben. Im Mai müssen Sie dann nochmals alles geben und können sich durch Sport als Ausgleich und gute Ernährung helfen. Schreiben Sie all diese Dinge wieder auf Zettel und legen Sie in den Phasen dazu.

Durch diese Visualisierung und das „Erleben“ des vor Ihnen liegenden Jahres erkennen Sie recht schnell, welche Herausforderungen, aber auch Freuden, Ihnen bevor stehen, wann Sie mit Ihren Kräften haushalten müssen, wann Sie Ruhephasen einplanen sollten, welche sonstigen Ressourcen Sie benötigen. Diese können Sie sich dank der neuen Erkenntnisse rechtzeitig besorgen, damit kein Stress auskommt, und sehen auch, wenn Zeit ist zu genießen und zu entspannen. Gerade für Menschen mit Planungsschwierigkeiten ist die Timelinearbeit eine gute Möglichkeit, Struktur in ihr Leben zu bringen und dadurch Ziele einfacher zu erreichen.

Natürlich kann das Jahr dann trotzdem ganz anders verlaufen, aber es spricht ja nichts dagegen, diese Übung dann nochmals zu wiederholen. Sie können auch Wünsche auflegen. Dadurch lenken Sie den Fokus auf sie und die Wahrscheinlichkeit, dass die Wünsche auch wahr werden steigt dadurch. Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Ausprobieren!