Resilienz und Salutogenese - was ist das?

Resilienz und Selutogenese. Zwei Schlagworte, die derzeit sehr populär sind und vor allem HR-Verantwortliche und Seminaranbieter beschäftigen. Doch diese beiden Begriffe sind wichtig für uns alle. Ich beschreibe hier kurz, was sie bedeuten.

 Bildquelle: picjumbo.com, Viktor Hanacek

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Resilienz ist die Fähigkeit der geistigen Widerstandskraft, die in das Konzept der Salutogenese eingebettet ist. Salutogenese bedeutet die Lehre von der Gesundheitsentstehung. Begründet hat dieses Konzept Aaron Antonovsky, ein amerikanischer Medizinsoziologe, der in einer Untersuchung an jüdischen KZ-Überlebenden herausgefunden hat, dass immerhin ein Drittel von ihnen trotz erlebter Gräueltaten bei guter psychischer Gesundheit war. Antonovsky wollte wisse, wie ihnen das gelang. Man merkt deutlich, dass er bei seiner Forschung Anleihen an Viktor Frankl nimmt, der ja selbst im KZ leben musste, und sich danach intensiv mit der Frage nach dem Sinn auseinander gesetzt hat.

Im Laufe unseres Lebens werden wir immer wieder mit Situationen und Menschen konfrontiert, die uns herausfordern, und uns in einen Zustand der Anspannung versetzen. Wir nennen dies Stressoren (physik. Stress= Spannung). Was den einen stresst, ist für den anderen jedoch eine Lappalie. Es hängt nämlich davon ab, welche generalisierten Widerstandressourcen wir haben, die wir den Stressoren entgegensetzen können. Ein starkes Selbstbewusstsein oder Fähigkeiten in dem Bereich könnten solche Ressourcen sein. Die Natur ist immer auf einem Gleichgewicht bedacht, darum geht es uns dann gut, wenn wir Mittel finden, den Stress abzubauen.

Das interessante am Konzept der Salutogenese ist, dass es dabei nicht nur „krank“ oder „gesund“ gibt, sondern dass diese beiden Positionen als die Pole einer Linie gesehen werden. Man bewegt sich Zeit seines Lebens immer irgendwo dazwischen, mal mehr beim Krankheitspol, mal mehr beim Gesundheitspol. 100% krank würde bedeuten, dass man tot ist. Dieses Brechen mit dem dichotomen (=nur entweder/oder) Denken ist insofern sehr hilfreich, weil es den Raum für mehr Möglichkeiten öffnet. Skalierungsfragen sind deshalb in einer Beratung sehr beliebt. Sie schaffen Platz für mehr und für eine andere Wahrnehmung.

Wie sehr es jemand schafft, geistig widerstandsfähig zu sein, hängt zum großen Teil von seinem Kohärenzgefühl ab. Das Kohärenzgefühl ist die grundsätzliche Einstellung zum Leben. Sieht es jemand eher positiv, hält man die Welt für gut, schön und erklärbar, dann gibt ihm das die nötige Zuversicht, Kraft und Selbstvertrauen, um mit Schwierigkeiten fertig zu werden. Ist jemand eher pessimistisch, erlebt er die Welt als bedrohlich, fürchtet sich davor und hat das Gefühl, Spielball des Schicksals zu sein, dann führt das zu einem Zustand der „erlernten Hilflosigkeit“, und die Resilienz ist gering.

Das Kohärenzgefühl entwickelt sich in den frühen Jahren (wieder einmal: die Eltern tragen hier eine große Verantwortung), und verändert sich ab etwa dem 20. Lebensjahr kaum noch, höchstens durch „Lebensereignisse“ ("life events"). Das können positive sein (Hochzeit, Kinder,…), aber auch negative (Scheidung, Krankheit, Jobverlust, Tod,…). Diese Ereignisse können uns aus der Bahn werfen.

Das Kohärenzgefühl stützt sich auf drei Komponenten: Sinn, Verstehbarkeit und Handhabbarkeit. Sinn meint “ist es mir wert, hier hinein meine Energie zu investieren?“.  Es kommt dabei immer auf die Bedeutung fürs eigene Leben an. Wenn in China das sprichwörtliche Rad umfällt, kratzt mich das nur dann, wenn meine soeben erworbene Ming-Vase dabei zu Bruch geht. Verstehbarkeit meint die Regeln, die für mich erkennbar sein müssen. Selbst in Krisenzeiten ist es besser zu wissen, was auf mich zukommt, denn die Unsicherheit es nicht zu wissen erzeugt noch größere Ängste. Handhabbarkeit meint, bin ich fähig, die Situation zu meistern? Dabei ist es gar nicht wichtig, selbst über die nötigen Ressourcen dafür zu verfügen. Man darf auch auf die Ressourcen anderer zurückgreifen. Wenn mein Zahn schmerzt, muss ich ihn nicht selbst behandeln können, sondern darf und soll zum Zahnarzt gehen.

Wenn wir also eine Situation erfordert, die wir als Stress erleben, die uns in Anspannung versetzt, kommt es darauf an, darauf entsprechend zu reagieren. Und da sich die Situationen unterscheiden, müssen sich auch die Antworten unterscheiden. Flexibilität ist gefragt. Immer dieselbe Lösung für ein Problem funktioniert nicht. Geistige Flexibilität und die Entwicklung situationsadequater Handlungsstrategien sind gefragt. Die gute Nachricht: das kann man lernen. Zum Beispiel in einem Seminar zum Thema Resilienz, oder auch in meinem Buch „Die Krisen-Strategien der Banker – Lebenskrisen bewältigen mit Know-how aus Finanzwelt und Psychologie“.